Und dann ging alles schief?

Mittwoch, 4. April 2018


Unser Umzug in eine neue Stadt stand bisher unter keinem guten Stern. Es begann im Juli letzten Jahres, als das Studium in Regensburg endgültig feststand und die Wohnungssuche anfing. Schnell wurde uns klar, dass es geradezu unmöglich war, im Sommer eine vernünftige Wohnung zu finden, da musste man schon wirklich Glück oder gute Kontakte haben und beides war bei uns nicht vorhanden. Wie soll man sich zwischen den ganzen anderen Studenten hervorheben? Wenn man nicht mal zeitlich flexibel ist und schnell zuschlagen kann, da man aus einer fast 350 Kilometer entfernten Stadt wohnt und nicht blind irgendeine Wohnung anmieten möchte. Unzählige Anfragen wurden geschrieben, ein Dutzend Telefonate geführt und letztendlich hatten wir eine Übernachtung in einem Regensburger Hotel gebucht und drei Besichtigungstermine auf dem Plan. Nur eine der Wohnungen lag überhaupt in der Stadt, die anderen beiden fast eine halbe Stunde Autofahrt außerhalb. Da wir beide ein Auto besitzen und die Mietpreise dort um einiges günstiger sind als in der Stadt, dachten wir, das wäre vielleicht eine gute Übergangslösung. Wenn man erst einmal in der Nähe ist und der anfängliche Sturm von Studenten auf Wohnungssuche verebbt ist, lässt sich bestimmt schnell etwas Neues finden. Vielleicht noch im selben Jahr?

Die erste Wohnung in der Stadt war nichts. Die zweite Wohnung lag in einem richtig kleinen Dorf mit schlechter Bus- aber wenigstens guter Straßenverbindung. Und sie war schön, vor allem schön groß. Bei der dritten Wohnung wurden wir von dem Immobilienmakler versetzt. Meine Nummer hatte er blockiert, sodass ich ihn nicht mehr erreichen konnte. Ein Anruf bei seiner Kollegin im Büro ergab dann, dass die Wohnung schon längst vermietet sei. Sie entschuldigte sich mehrmals bei uns, dass so etwas noch nie passiert sei und sie sonst immer sehr zuverlässig wären und absagen würden, wenn ein Besichtigungstermin nicht zustande kommen würde. Half uns in dieser Situation auch nicht weiter und so fuhren wir ziemlich ergebnislos wieder nach Hause. 
Die Zeit wurde knapp und eine Entscheidung musste her. Also nahmen wir die zweite Wohnung. Oh, wie wir das bereuen würden!


Die Lage der Wohnung bereitete uns schon am ersten Unitag Schwierigkeiten, als wir geschlagene zwei Stunden zu spät kamen, weil wir so lange im Stau auf der Autobahn festhingen. Ohne Auto ging aber gar nichts, das war uns schnell klar - die Busverbindung stellte sich als noch viel schlimmer heraus, als wir anfangs angenommen hatten. Den Regensburger Verkehr möchte ich aber auch niemandem wirklich antun. Mein Bafög ließ und ließ auf sich warten, das Geld war knapp. Das gesamte Geld, was man sich dreimal die Woche abends im Nebenjob hart verdiente, ging ausnahmslos für Rechnungen drauf. Also fielen unnötigen Fahrten und Unternehmungen mit Freunden in der Stadt flach. Die Wohnung entwickelte sich ziemlich schnell zu unserem persönlichen Gefängnis, in dem wir mehr Zeit verbrachten, als uns lieb war.
Die Vermieterin, die mit im Haus wohnte - was mir von Anfang an ein Dorn im Auge war - entwickelte sich ziemlich schnell von der lieben, alten Dame zur verbitterten, bösartigen Hexe. Schikane und Belästigungen standen an der Tagesordnung. Nicht alle ihre Aktionen waren so ganz legal, aber wir wollten einfach keinen Ärger und nur so schnell wie möglich raus aus dieser Wohnung. Doch selbst im Winter wurde die Wohnungssuche nicht besser.

Anfang Dezember hatten wir endlich einen Besichtigungstermin. Diesmal war uns klar, dass nur eine Wohnung in der Stadt in Frage kommen würde. Weiterhin auf das Auto angewiesen zu sein kam für uns nicht in Frage, zumal wir durch die Studiengebühren ohnehin kostenlos alle Verkehrsmittel nutzen konnten. Schon auf dem Weg von dem Besichtigungstermin zurück zum Auto war die Entscheidung gefallen: Diese Wohnung wird es nicht! Also weitersuchen. Anfangs waren wir optimistisch, doch dieser Optimismus verflog, als wir im gesamten Dezember und Januar keine weiteren Besichtigungstermine bekamen. Erst in der ersten Februarwoche hatten wir Glück, gleich drei Besichtigungstermine haben wir bekommen. Wegen einer Klausur konnte ich an dem ersten Besichtigungstermin nicht teilnehmen und schickte meinen Freund alleine los ... Und was passierte? Wieder einmal tauchte kein Makler auf. Ein weiteres Mal versetzt. Der zweite Besichtigungstermin verlief auch relativ schnell, noch in ihrem Redeschwall konnte ich die Vormieterin unterbrechen und ihr mitteilen, dass auch diese Wohnung nichts für uns war. Mit Abstand die kleinste aller Wohnungen und so ungünstig geschnitten, dass man kaum ein einziges Möbelstück hätte stellen können. Nun stand nur noch der dritte Besichtigungstermin an und wir wussten, dass diese Wohnung eigentlich über unserem Budget lag. Doch kaum hatten wir die Wohnung betreten, waren wir verliebt. Das war sie: unsere neue Traumwohnung! Nach all den schlechten Erfahrungen hatten wir endlich eine wunderschöne, moderne Wohnung mit toller Lage in der Stadt gefunden. Dachte ich.


Übers Telefon bekamen wir die Zusage von dem Vermieter und wollten uns im März treffen, um den Mietvertrag zu unterschreiben. Vorher hatte er durch den Umzug seiner Firma keine Zeit, den Mietvertrag mit uns abzuschließen. Mehrmals wurde uns versichert, dass wir uns keine Sorgen machen müssten, die Wohnung wäre uns auf jeden Fall sicher. Eine mündliche Zusage ist nur leider nicht wirklich ausreichend, aber die Kündigung für unsere aktuelle Wohnung musste geschrieben werden. Einen Monat lang doppelt Miete zu bezahlen, konnten wir uns nicht leisten. Verunsichert überlegten wir hin und her und reichten schließlich die Kündigung ein. In meinem Bauch breitete sich schon ein mulmiges Gefühl aus, wie gern hätte ich eine schriftliche Zusage gehabt, an dessen Papier ich mich hätte festklammern können ... In der ersten Märzwoche hörten wir nichts von dem Vermieter. Vielleicht hatte er nur im Stress vergessen, uns anzurufen. Also meldeten wir uns eine Woche später bei ihm und plötzlich hieß es, dass wir die Wohnung aus privaten Gründen doch nicht bekommen würden.
Ein ziemlicher Tiefschlag. Schließlich mussten wir bis Ende Mai aus unserer aktuellen Wohnung raus und noch hatten wir keinen neuen Platz zum Schlafen. Die letzten Monate hatten gezeigt, wie schwierig es sein konnte, eine vernünftige Wohnung beziehungsweise überhaupt irgendeine Wohnung zu kriegen. Und nun saß uns auch noch die Zeit im Nacken, die unaufhörlich weiterlief. Die schlimmsten Horrorszenarien bahnten sich an. Was wäre, wenn? Wenn wir bis dahin keine Wohnung hätten, müssten wir dann bei Freunden auf dem Sofa übernachten? Und wohin mit unseren Möbeln in der Zwischenzeit? Oder im schlimmsten Fall: zurück zu den Eltern nach Hause ziehen. Experiment Studium gescheitert.

Ich war mit den Nerven ziemlich am Ende. Wieso hatten wir so viel Pech? Nach so vielen Monaten verzweifelter Suche wurden wir immer und immer wieder enttäuscht. Neidisch betrachtete ich alle anderen Studenten, die seit Semesterbeginn in ihren tollen neuen Wohnung in der Innenstadt lebten. Wieso waren wir die Einzigen, die einfach keine Wohnung bekommen sollten?
Noch am selben Abend der Absage saß ich bereits wieder vor dem Laptop und schrieb neue Anfragen für Besichtigungstermine. Am nächsten Tag bekam ich eine SMS, ob wir noch am selben Abend Zeit für eine Besichtigung hätte. Wir hatten kaum Angaben zu der Wohnung, im Internet hatte es keine Bilder gegeben, also ließen wir uns überraschen. Und wir waren überrascht. Positiv überrascht.
Das komplette Haus war ein Neubau, gerade mal ein Jahr alt. Die Wohnung demnach sehr modern, sehr hell, mit einem Aufzug und Tiefgarage. Kostenlose Parkmöglichkeiten vorm Haus und nur zwei Minuten zu Fuß von der nächsten Bushaltestelle entfernt. Mein persönlich wichtigster Punkt - Badewanne - war auch erfüllt. Also schlugen wir zu. Wir hatten auch kaum eine Wahl. Die Zeit drängte, die Mitbewerber sahen ebenfalls äußerst interessiert an der Wohnung aus, warum auch nicht, an der Wohnung war nichts auszusetzen. Liebe auf den ersten Blick wie bei der anderen Wohnung war leider nicht vorhanden, aber wir wollten uns den zusätzlichen Stress sparen, weiter auf Suche gehen zu müssen. Nach all den Monaten vergeht einem daran auch ziemlich die Lust und das zweite Semester stand kurz bevor, da möchte man sich natürlich wieder ganz auf die Uni konzentrieren können. 

Dennoch werde ich das mulmige Gefühl nicht los und ich denke, dass wird auch nicht passieren, bis wir sicher in der neuen Wohnung leben. Ich habe Angst, dass immer noch etwas schief gehen kann. Bei unserem bisherigen Glück würde mich das nicht wundern.
Morgen beginnt mein zweites Semester. Ich habe mir mehr vorgenommen als im ersten Semester und hoffe, dass meine Noten vor lauter Umzugsstress und Planungen nicht darunter leiden müssen. Zwischen Umzug und den Klausuren bleiben nur wenige Wochen, also könnte es zwischenzeitlich ziemlich anstrengend und stressig für mich werden. Ich hoffe einfach, dass außer ein bisschen Stress nichts Schlimmeres passiert.


5 Kommentare

  1. Oh Liebes das kommt mir so bekannt vor! Bei mir war es auch im ersten Semester am schlimmsten. Ich habe dann zum Glück einen Platz im Wohnheim bekommen. Danach hatte ich mehr Glück mit Wohnungssuche. Mein Freund und ich haben aber für unsere erste gemeinsame Wohnung letztes Jahr auch mehrere Monate suchen müssen. Manche Städte sind da wirklich Horror!

    Aber irgendwann weiß man dafür worauf man achten muss bei der Wohnungssuche, wenn man so viel Erfahrung sammelt und kann Vermieter beim ersten Treffen auch besser einschätzen. Ich wohne nun mit 24 in meiner 5. eigenen Wohnung und habe jetzt endlich (fast) alles, was ich mir je gewünscht hätte, weil ich wusste wonach ich suchen muss :) allerdings fehlt mir die Badewanne haha.

    Ich wünsche dir auf alle Fälle einen guten Start in der neuen Wohnung und ins neue Semester! Uni geht auf alle Fälle vor, die Wohnung ist ja nur vorübergehend solange du studierst. Lass dich davon nicht unterkriegen und konzentriere dich auf dein Studium <3

    Liebe Grüße
    Caro von OUI OUI MARIE

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    1. Hallo Caro,

      das stimmt, Erfahrungen sammeln tut man dabei auf jeden Fall. Ich habe bisher mein ganzes Leben nur in Mietwohnungen gewohnt und kenne mich deshalb eigentlich schon ganz gut damit aus. Eine Badewanne war bei mir aber Pflicht und wirklich das Einzige, was ein absolutes Ausschlusskriterium war!

      Danke für deine lieben Worte!

      Alles Liebe, Laura

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  2. Das was du schilderst ist das Szenario fast jeden Studenten der in eine neue Stadt zieht. Ich bin für das Studium zuhause geblieben, allerdings sind viele meiner jetzigen Freunde für das Studium nach Bonn gezogen. Monatelange Wohnungssuche bis man sich am Ende freut überhaupt irgendwas zu bekommen, dem Bafögamt wegen dem Geld hinterherlaufen und alles andere.
    Als hätte man als Student nicht schon genug um die Ohren.
    ABER du bist wirklich nicht alleine. Schon arbeitende Menschen werden leider Studenten auf dem Wohnungsmarkt vorgezogen, sodass alles nur noch erschwert wird.
    Kopf hoch, vielleicht verliebst du dich ja noch in die Wohnung und dann wird auch alles gut gehen! :)

    Liebe Grüße <3
    www.lifeofmissg.com

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  3. Was ihr erlebt habt ist echt krass und stellenweise auch richtig unverschämt. Als Makler einem erst zusagen und obwohl am weiß, dass die alte Wohnung gekündigt ist, ist schon krass. Zeugt in meinen Augen nicht unbedingt von tollem Charakter, genauso wie einfach nicht aufzutauchen oder auf Anrufe nicht zu reagieren und die Nummer zu blocken. Ich bin echt froh, dass ich meinen Wunschstudiengang in Wohnort nähe studieren konnte und deshalb meinen Eltern noch länger auf die Nerven gehen darf. Denn andernfalls hätte ich mir das Studium gar nicht leisten können, was wieder zeigt, wie sehr Studieren vom hintergrund und den finanziellen Mitteln abhängt, ein Unding in einem Land wie Deutschland.

    Wie Stressig es aber ist eine Wohnung zu finden, weiß ich durch eine Ausbildung. Da hatte ich auch eine eigene Wohnung und nur ein bestimmtes Budget zu verfügung und was man mir da angepriesen hat, war teilweise echt der Witz. Winzige Zimmer in frangwürdigem Zustand zu überteuerten Preisen. Am Ende hatte ich Glück das eine Arbeitskollegin ebenfalls eine Wohnung suchte und wir gemeinsam eine tolle Wohnung fanden. Dass eine WG aber auch ziemlich anstregend ist und einer Freundschaft nicht unbedingt immer gut tut, habe ich dann erfahren. Hat alles seine Vor und Nachteile.

    Ich drücke aber die Däumchen, dass diesmal alles reibungslos klappt, denn ich weiß selbst, wie stressig allein das Studium ist, da kann man sowas gar nicht gebrauchen.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Das hört sich echt gut an, sobald sich Zeit findet werde ich da definitiv mal reinschauen. Aber im Moment ist das Angebot an Serien so groß, dass ich meine Must-See-Liste nicht abgearbeitet bekomme. Davon habe ich noch gar nichts gehört, da bin ich aber gespannt, ob die noch kommt oder nicht, da ja auch noch gar kein neuer Trailer draußen ist. Die Serie habe ich auch noch nicht geschaut, steht auch noch auf meiner Must-See-Liste, da ja heiß diskutierte wurde über die Produktion.

    Ich freue mich auch schon total auf The Royals. Schaue die mir diesmal auch im Fernsehen an, weil ich nicht warten möchte, bis es sie dann bei Amazon Prime gibt. Das könnte noch dauern. Zu den Ausstrahlungszeiten: Da frage ich mich auch manchmal, was man sich dabei denkt. Um die Uhrzeit wird das wohl kaum jemand anschauen.

    Ich bin auch total gespannt, wie sich der neue Cast macht. Talentiert sind ja alle Darsteller, sodass meine Erwartungen da echt hoch sind. Aber klar, man hat sich nun auch an die Gesichter des vorherigen Casts gewöhnt und ich mochte Claire Foy, Matt Smith und Vanessa Kirby sehr in diesen Rollen. Spannend bleibt ja auch, wie die weiteren Figuren besetzt werden.

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    1. Hallo Nicole,

      du hast Recht, studieren hängt definitiv von den finanziellen Mitteln ab! Ich wollte schon immer für das Studium weiter wegziehen und nicht mehr zuhause wohnen bleiben, in der Nähe gab es aber auch nichts, was mich interessiert hätte. Wäre ich nicht mit meinem Freund zusammengezogen und hätte er mich nicht unterstützen können, hätte ich nicht studieren können. Ich bin froh, dass ich jetzt mein Bafög bekomme und weniger arbeiten gehen muss, sodass ich mein Studentenleben endlich mehr genießen kann und wir uns eine vernünftige Wohnung in der Stadt leisten können. Nervig, dass sowohl mein erstes als auch mein zweites Semester unter der Wohnungssuche und dem Umzug leiden müssen, aber auch das geht vorbei.

      Alles Liebe, Laura

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